Vom Kloster zum Hotel: Ein Schmuckstück aus den 1950er Jahren wird umgebaut

Am Amtsgerichtsplatz in Charlottenburg steht ein bemerkenswerter Bau: Inmitten des gründerzeitlich geprägten Umfelds fällt das Ignatiushaus (Neue Kanstraße 1/Suarezstraße 18) aufgrund des auffälligen Farbkonzepts, eines originellen Grundrisses und eigenwilliger Fensterumrandungen ins Auge. Es ist das Werk des Architekten Johannes Jackel, der  im Auftrag der Ostdeutschen Provinz der Societas Jesu (S. J.) das 1955/56 gebaute Haus für die Glaubensbrüder des Ordens entwarf. Nach langem Leerstand gibt es nun neue Nutzungspläne.

Mit Kapelle, Wohnheim, Tagungsräumen und Ladenzone ausgestattet war das Ignatiushaus für eine vielfältige Nutzung konzipiert. Hinter einer eingeschossigen Ladenzeile, die aufgrund ihrer bauzeitlichen Erscheinung mit farbig gefliesten Säulen und großzügigen Schaufenstern als außergewöhnlich gelten kann, erhebt sich das sechsgeschossige Haupthaus. Skulpturale und dynamische Formen charakterisieren das Gesamtbild. Diese dominieren übrigens auch den außergewöhnlichen Kirchenbau Mariä Heimsuchung in Wiesbaden (1963-66), ebenfalls von Jackel entworfen.

Trotz Denkmalschutz stand es zuletzt nicht gut um den Fortbestand des Ignatiushauses. Nachdem die Christliche Glaubens- und Lebensschule St. Ignatius im Jahr 2003 in einen Neubau an der Witzlebenstraße 30 umgezogen war, zog jahrelanger Leerstand ein. Sogar der Abriss wurde zwischenzeitlich schon befürchtet. Doch seit einiger Zeit tut sich etwas. Bereits Endes dieses Jahres will sich das unmittelbar an der Neuen Kantstraße benachbarte Ivbergs Hotel vergrößern. Die Entkernungsarbeiten sind bereits abgeschlossen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich der neue Eigentümer  über den architektonischen Wert der hochwertigen 50er Jahre Fassade bewusst ist und mir ihr pfleglicher umgeht als mit dem filigranen Treppenhaus im Inneren: Hier wird ein Fahrstuhl vermutlich demnächst den Blick ins charakteristische Treppenauge verstellen.

Zum Eintrag in der Denkmaldatenbank

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Eine Antwort zu “Vom Kloster zum Hotel: Ein Schmuckstück aus den 1950er Jahren wird umgebaut

  1. Mittlerweile ist das Hotel fertig und es ist eine Überraschung!
    Unwissenheit ließ mich zuerst vermuten, dass es sich hier um einen glücklicherweise vor der Abrisswut der Neuzeit gerettetes Hotel aus eben der Zeit nach dem Krieg handelt. Erst am Abreisetag bekam ich den Hinweis, es handele sich dabei um eine Umnutzung.
    Es ist wirklich sehr schön gelungen (wahrscheinlich würden aus je zwei Zimmern für die Mönche ein anständig großes Hotelzimmer gestaltet und recht modern, aber nicht zu modisch eingerichtet.
    Besonders das Treppenhaus verdient Beachtung und Bewunderung.
    Materialwahl und Farbgebung feiern die Aufbruchstimmung der Fünfziger Jahre – innen wie außen!
    Lasst uns eine derart gut gelungene Benutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes zum Anlass nehmen für den Erhalt vieler weiterer solcher baulicher Zeitzeugen in Ost wie West zu plädieren.
    Es wäre zu schade, diese Zeit zu verachten.

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