„Nicht jede Brache muss zubetoniert werden“

Es klingt paradox und auch ein wenig makaber: Die Attraktivität, die Berlin heute weltweit ausstrahlt, erklärt sich in erster Linie aus der wenig glanzvollen Vergangenheit der Stadt. Es sind allerdings nicht nur das Holocaust-Mahnmal und die vereinzelten Mauerreste, die jedes Jahr Millionen von Touristen hierher ziehen. Die Faszination Berlins hängt auch mit den immer noch zahlreich vorhandenen, größtenteils aus den Bombardierungen während des Krieges und dem Mauerbau resultierenden innerstädtischen Brachflächen zusammen. Denn hier entstanden in den letzten beiden Jahrzehnten viele Zwischennutzungen, die den Ruf der Stadt als Club-, Kunst- und Kreativmetropole begründeten. Doch genau diese Freiräume sind durch die zunehmend bauliche Verdichtung seit geraumer Zeit bedroht. Vor wenigen Tagen wurde das Kunsthaus Tacheles geräumt; das Kiki Blofeld und die weit über Berlin hinaus bekannte Bar25 gehören schon seit einigen Monaten der Vergangenheit an.

Derzeit kämpft der Prinzessinnengarten am Moritzplatz ums Überleben. Eine Petition soll den Senat zum Umdenken bewegen, denn dieser schaute der  Entwicklung zuletzt nicht nur tatenlos zu, sondern beförderte sie regelrecht: Jahrelang wurden die landeseigenen Grundstücke ausschließlich an den Höchstbietenden verkauft. Die Folgenden dieser einseitigen Politik liegen auf der Hand:                                                                                                                             „Die vermeintlich hohen Einnahmen gehen auf Kosten von sozialen, gesellschaftlichen und kulturpolitischen Gesichtspunkten, ganz zu schweigen von einer nachhaltigen Stadtentwicklung.“                                                                       Daher begrüßt Laura Weißmüller in ihrem SZ-Artikel „Nicht jede Brache muss zubetoniert werden“ die geplante Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik:           „Der Glaube, das höchste Gebot sei auch das beste für die Stadt, speist sich aus der irrigen Vorstellung, die öffentliche Hand müsste so agieren wie die private – ausgerichtet am schnellen Profit.“

Direkt zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 10.09.2012

Petition zum Erhalt des Prinessinnengartens

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Eine Antwort zu “„Nicht jede Brache muss zubetoniert werden“

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