Startschuss für die Sanierung der denkmalgeschützten Yorckbrücken

Sie sind ein beeindruckendes Zeugnis des Eisenbahnalters: Zwischen Schöneberg und Kreuzberg überspannen auf einem Abschnitt von 500 Metern Länge über 30 Gleisbrücken die Yorckstraße. Aufgrund ihres sehr unterschiedlichen Alters veranschaulichen sie heute über 100 Jahre Brückenbaugeschichte. Auch hier wollte die Deutsche Bahn als Eigentümer zunächst wenig von erhaltenswerter Bausubstanz wissen und einen Großteil der Brücken kurzerhand abreißen. Doch der Denkmalschutz konnte (bisher) erfolgreich dagegenhalten. Vor wenigen Wochen wurde die älteste heute noch existierende Brücke von ca. 1883 nach umfassender Sanierung wieder eingesetzt.

Die Geschichte der Yorckbrücke geht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Durch den Bau von Bahnhöfen dehnten sich beiderseits des Landwehrkanals nördlich der heutigen Yorckstraße weitläufige Bahnanlagen aus. Vor allem die Betriebsanlagen und Güterbahnhöfe des Potsdamer sowie des Anhalter Bahnhofs erforderten den Bau zahlreicher Gleise. Mit der parallelen Ausdehnung des Stadtgebietes in Richtung Süden wurde schließlich auch eine direkte Straßenverbindung zwischen Schöneberg und Kreuzberg erforderlich. Der Bau dieser Unterführung begann um 1883. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Brücken, die zunächst zum Großteil von Franz Schwechten, v.a. als Architekt des Anhalter Bahnhofs bekannt, und dem Ingenieur Heinrich Seidel entworfen wurden.Weitere Brückenbauten kamen Anfang der 1930er Jahre hinzu.

Aufgrund der permanten Umbauten und Erweiterungen belegen die Brücken heute auf einzigartige Weise die Entwicklung der Brückenbautechnik vom späten 19. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit. Von den einstmals 45 Gleisachsen sind gegenwärtig noch 33 vorhanden, von denen wiederum noch zehn von der S-Bahn, dem Fern- und Regionalverkehr der DB sowie dem Deutschen Technikmuseum genutzt werden. Insbesondere der Erhaltungszustand der zehn stillgelegten Bauwerke ist inzwischen als kritisch zu bezeichnen. 2008 einigten sich die Deutsche Bahn und die Denkmalschutzbehörde darauf, dass zunächst fünf besonders schützenswerte Brücken gesichert und saniert werden. Ziel ist außerdem, das Brückenensemble in den derzeit entstehenden Park am Gleisdreieck zu integrieren und zum Teil für den Fußgängerverkehr freizugeben. Ein Etappenerfolg konnte unlängst gefeiert werden: Am 18. August wurde die älteste, denkmalgerecht sanierte Brücke östlich der Bautzener Straße wieder eingesetzt. Der nächste Schritt sieht die Ausarbeitung eines Lichtkonzepts vor.

Weiterführende Informationen:

  • Larissa Sabottka: Die eisernen Brücken der Berliner S-Bahn – Bestandsdokumentation und Bestandsanalyse, herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, Berlin 2003.
  • Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin (Hrsg.): Die Yorckbrücken – Ein verkehrstechnisches Baudenkmal der Berliner Eisenbahngeschichte, Berlin 2007.

Fotogalerie

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Eine Antwort zu “Startschuss für die Sanierung der denkmalgeschützten Yorckbrücken

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