Was Schinkel wohl sagen würde? Streit um geplante Neubebauung am Schinkelplatz

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause sorgt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher für heftige Diskussionen. Anlass sind die am verganenen Donnerstag präsentierten Siegerentwürfe für die Bebauung der Ostseite des Schinkelplatzes, wo seit Abriss des DDR-Außenministeriums im Jahr 1996 eine Brache klafft. Der Ort gehört zu den prominentesten Baugrundstücken in Berlins historischer Mitte. Die unmittelbare Gegend prägen die Friedrichswerdersche Kirche von Schinkel, die Fassadenrekonstruktion der Alten Kommandantur, die wiederum den Auftakt der Prachtstraße Unter den Linden bildet, sowie der nach historischem Vorbild kürzlich wiederhergestellte Schinkelplatz. Mit dem geplanten Wiederaufbau von drei Schlossfassaden im Rahmen des Bauprojektes „Humdboldt-Forum“ und der Bauakademie wird sich die Neubebauung in einem Umfeld behaupten müssen, das zu den architektonischen und städtebaulichen Höhepunkten der Berliner Baugeschichte zählt.

Nach dem Willen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sollen ein Büro- und vier Wohngebäude am Schinkelplatz entstehen. Dafür wurde im März dieses Jahres gemeinsam mit dem Investor ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. Der erste Preis für das Bürogebäude direkt südlich der Kommandantur geht nun an das Architekturbüro „Volker Staab Architekten“ aus Berlin. Der Siegerentwurf präsentiert Lochfassaden mit minimalen Gestaltungsmitteln und symmetrisch angeordneten hochformatigen Fenstern. Für die südlich davon geplanten Wohngebäude wurden die Ausarbeitungen von Bruno Fioretti Marquez prämiert. Auch hier dominieren relativ nüchterne Lochfassaden und rationalistische Fenterraster. Der Architekt selbst schreibt: „Die klassischen ornamentalen Elemente der Gründerzeitfassaden werden auf ein reines Schattenspiel reduziert, welches die Gesetzmäßigkeit des Materials Putz widerspiegelt.“ Fioretti Marquez soll nun mit den weiteren Planungsleistungen für die beiden Wohngebäude direkt am Schinkelplatz sowie ein Wohngebäude südlich der Niederlagstraße beaufragt werden.  Für das nördliche Wohngebäude an der Niederlagstraße dagegen wird nach der Empfehlung des Preisgerichts der dritte Preisträger Klaus Theo Brenner mit weiteren Ausarbeitungen betraut.

Die Reaktionen auf die ausgezeichneten Entwürfe könnten unterschiedlicher kaum sein. Senatsbaudirektorin Lüscher findet ausschließlich lobende Worte: „Die prämierten Beiträge setzen die anspruchsvolle Aufgabenstellung in besonderer Weise um und geben eine sehr gute Antwort auf das durch repräsentative Solitäre geprägte Umfeld.“ Große Kritik kommt dagegen von der Gesellschaft Historisches Berlin. „Ich habe keine anspruchsvolle Architektur erwartet. Aber auch nicht, dass es so schlimm wird. Das ist eine intellektuelle Frechheit“, äußert der Vorstandsvorsitzende Hoya gegenüber der Berliner Zeitung. Ähnlich entsetzt ist Annette Ahme von der Initiative „Schöne Mitte – schöne Stadt“: „Es grenzt an Blasphemie zwischen zwei Meisterwerken des bedeutendsten Baumeisters mindestens von Berlin und Preußen, Karl Friedrich Schinkel, eine solche unsägliche Investoren“architektur“ plazieren zu wollen.“ Ahme und ihre Mitstreiter haben bereits den größtmöglichsten Widerstand gegen die Realisierung der Siegerentwürfe angekündigt. Ihr Favorit ist der Entwurf des Architekturbüros Stuhlemmer, der palaisartige Häuser in historischer Formensprache vorsieht und außerhalb des Wettbewerbs entstand.

Bis zum 28. Juni kann sich jeder im Roten Saal der Bauakademie, wo die prämierten Entwürfe täglich von 12 bis 18 Uhr zu sehen sind, selbst ein Bild machen.

Das gegenwärtige Erscheinungsbild des Schinkelplatzes

 

Die Gewinner und weitere Wettbewerbsbeiträge im Überblick

Zur Berichterstattung in den Medien

Wie beurteilen Sie die geplante Neubebauung am Schinkeplatz?

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10 Antworten zu “Was Schinkel wohl sagen würde? Streit um geplante Neubebauung am Schinkelplatz

  1. Ich möchte kotzen. Nicht nur, wenn ich Frau Lüscher sehe. Aber erst recht bei diesem Scheiß!

  2. da fehlen einem wirklich die Worte. Mit diesem Einheitsbrei und dieser phantasielosen Grütze schafft es Regula, dass es in Berlin genau so aussieht wie im ganzen Rest der Welt. echt zum heulen…

  3. jagt Regula aus der Stadt!!!!

  4. Robert Johannes Veenenberg (Drs)

    Stuhlemmer: schöner Entwurf und würdiger Ersatz der ehemalige Bauten; Lüscher und unverschämter Klotzen-architekten (ohne jedes Gefühl für Berlin): sofort abhauen

  5. Trivialarchitektur auf leider niedrigstem Niveau ! Dabei haben doch die Architekten Stuhlemmer gezeigt wie es geht – ein großartiger Entwurf ! Wie beruhigend, dass es solche Architekten auch noch gibt, wie schade, dass sie gegen die nunmehr favorisierten Entwürfe nicht durchgesetzt haben.

  6. Es liegt ein Irrtum vor: An einem von Lüscher vorbereiteten und ausgelobten Wettbewerb läßt sie nur ihre „Freunde“ teilnehmen; ein Büro Stulemmer wird nicht nur nicht eingeladen, sondern bewußt ausgeschaltet… Dr.Maier.

  7. Es ist nicht zu fassen, was den Berlinern so angeboten wird. Alleine die Begrüdungen, alles nichtssagender Wortschwulst, als hätte man bei Loriot abgeschrieben. Das bei dem Einen oder Anderen nicht schon die Köpfe zu Quadratschädeln mutiert sind, weil sie offensichtlich nur noch in Rasterkategorien denken können. Wo sind denn die Architekten, die über die nötige Phantasie verfügen, um sich behutsam und gefühlvoll an diesem zentralen historischen Ort einzubringen. Es gibt sie doch, die Schultes, Frank, ja auch Chipperfield. So wie hier sollte man mit dieser geschundenen Stadt jedenfalls nicht umgehen. Auch die Diskussion über die Rossebändiger, unsäglich. Hier kann man nachdenken über die einstmals enge Verbindung zu Rußland oder über den früher vorhandenen Wortwitz der Berliner, wenn man sich nicht darauf versteift, dass vielleicht die Entscheidungen des Kammergerichts zu bändigen wären.

  8. Pingback: Übergroße Mehrheit gegen die geplanten Bebauung am Schinkelplatz | Stadt.Bild.Berlin

  9. Marcel Kemper

    Wenn architektonische Phantasie nur bis zu Kasernenhofschachteln reicht und unbedarfte Arschitekten mit unbedarften Politikern zusammentreffen, die selbst Sautröge zur Kunst erheben würden, dann kommt so etwas raus.

  10. Wenn es jedenfalls spannende moderne Architektur wäre… aber diese langweiligen Schachteln, nein danke!

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