Städtebauliche Einöde und Rummelplatz – Der Checkpoint Charlie wartet auf ein angemessenes Erscheinungsbild

Der Checkpoint Charlie in der südlichen Friedrichstraße gehört heute zu den bekanntesten historischen Schauplätzen des Kalten Krieges in Berlin. An diesem Kontrollpunkt, der  kurz nach dem Mauerbau im August 1961 eingerichtet wurde, drohte am 27. Oktober des gleichen Jahres der Konflikt zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion zu eskalieren, als auf beiden Seiten des Übergangs einsatzbereite Panzer auffuhren. Weltweit Aufsehen erregten auch dragische Fluchtversuche wie die des DDR-Bürgers Peter Fechter, der am 17. August 1962 beim Überqueren des Todesstreifens angeschossen wurde und verblutete.

Derzeit wird über die städtebauliche Gestaltung dieses geschichtträchtigen Ortes, der heute einem Rummelplatz gleicht, heftig gestritten.

Heute erinnern nur noch wenige authentische Spuren an den legendären Grenzübergang. Bereits kurz nach dem Mauerfall wurden die Grenzanlagen überwiegend abgebaut und auf einem Teil der frei werdenden Flächen in den 1990er Jahren Bürobauten errichtet. An der Friedrichstraße Ecke Mauerstraße entstand nach Entwürfen von Josef Paul Kleihues das Haus „Triangel“ (1995-1997), unmittelbar nördlich davon das Philip-Johnson-Haus (Fertigstellung 1997). Im Jahr 2000 wurde ein noch original erhaltener Wachturm der Grenzanlagen vom Grundstückseigentümer abgerissen. Inzwischen hat der Tourismus in der Gegend Einzug erhalten. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der Nachbau des ersten Kontrollpunktes von 1961,das privat geführte Mauermuseum „Museum Haus am Checkpoint Charlie“ und eine Freiluftausstellung, die im Auftrag der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Sommer 2006 eröffnet wurde. Ansonsten prägen heute Kommerz und städtebauliche Einöde das Gesamtbild.

Die künftige Weiterentwicklung des Areals, für die es breits konkrete Pläne gab, ist derzeit allerdings ungewisser denn je. Eigentlich sollten auf den beiden stadtbildprägenden Brachen links und rechts Friedrichstraße zwischen Mauerstraße und Zimmerstraße im Rahmen des Planwerks Innenstadt ab 2013 neue Geschäftshäuser entstehen, in denen auch ein landeseigenes Museum zum Kalten Krieg geplant war.  Die zeitnahe Realisierung des Bauprojekts ist  jedoch unsicher, da die Bonität des Eigentümers, dem irische Investor McCannoon, zuletzt unklar war. Und auch die Ansiedlung eines Museums zur Geschichte des Kalten Krieges ist aufgrund von Unstimmigkeiten unter den Regierungsparteien gefährdet. Während die SPD weiterhin für das Museumsprojekt vor Ort eintritt, spricht sich die CDU nun für den Flughafen Tempelhof als neuen Standort  aus. Da ein Umzug des Alliiertenmuseums aus Dahlem nach Tempelhof in den letzten Wochen wahrscheinlicher geworden ist, scheint für die CDU eine Integration einer Ausstellung über den Kalten Krieg an dortiger Stelle sinnvoller.

Auf ein angemessenes Erscheinungsbild wird der Checkpoint Charlie also offenbar noch einige Zeit warten müssen. Dem sich ausbreitenden Massentourismus wird es vermutlich kaum einen Abbruch tun.

Aktuelle Eindrücke:

Aus der Presse:

Harter Fronten am Checkpoint Charlie, Artikel vom 14. Mai im Tagesspiegel

Kulturkampf am Checkpoint Charlie, Artikel vom 16. Mai in der Berliner Zeitung

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s