Das Internationale Congress Centrum Berlin – Eine Architekturikone ist Sanierungsfall

Das silberfarbene Internationale Congress Centrum Berlin (ICC) ist weit über Berlin hinaus bekannt. Es ist nicht nur weltweit eines der größten Häuser seiner Art, sondern besticht vor allem durch seine ungewöhnliche Architektur, die an ein Raumschiff erinnert. Jetzt soll die exponiert gelegene Architekturikone saniert werden – und plötzlich werden wieder Stimmen laut, die den Abriss fordern, obwohl sich der rot-rote Senat 2008 eindeutig für den Erhalt ausgesprochen hatte.

Technikbegeisterte Weltraumarchitektur aus den 1970ern

Pläne für ein Kongresshaus in Charlottenburg-Westend existierten vor dem Bau des ICC schon lange. Bereits der Generalplan für ein neues Berliner Ausstellungsgelände, der 1928 von dem Architekten Hans Poelzig (1869-1936) und dem Stadtbaurat Martin Wagner (1885-1957) präsentiert wurde, sah auch den Bau einer Kongresshalle vor. Der Borsenkrach von 1929 verhinderte jedoch die Realisierung.                                                                                                                 35 Jahre später wurde die Idee von Poelzig und Wagner erstmals wieder aufgegriffen.  Während das Gelände westlich  des Messedamms inzwischen weitgehend mit Ausstellungsgebäuden der Berliner Messe bebaut war, bot sich als Standort die noch unbebaute Fläche zwischen Messedamm, Neuer Kanstraße und Ringbahn an. Den Wettbewerb für den Bau eines multifunktionalen Kommunikationszentrums gewannen schließlich die Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, die kurz zuvor mit Entwürfen für ein Turmrestaurant in Steglitz an der A104 (der Bierpinsel) auf sich aufmerksam gemacht hatten. Die Eröffnung des Internationalen Congress Zentrums Berlin mit 80 Räumen und Sälen mit bis zu 9.100 Sitzplätzen und einer der größten Innenraumbühnen Europas konnte am 2. April 1979 nach vierjähriger Bauzeit gefeiert werden. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht nur das größte und teuerste Gebäude der deutschen Nachkriegsgeschichte, sondern von Anfang an ein einmaliger Bau. Dies hängt in erster Linie mit einem für ein Kongresszentrum außergewöhnlichen Grundriss zusammen. Während Veranstaltungsorte dieser Art klassischerweise ebenerdig um eine zentral liegende Halle angeordnet sind, besitzt das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe ICC aufgrund der Stapelung der verschiedenen Funktionseinheiten mehrere Etage.  Die zur Erbauungszeit völlig innovative Anordnung von einer Verteilerebene im Erdgeschoss, den Veranstaltungsräumen im ersten und Gastronomieeinrichtungen im zweiten Obergeschoss macht das Internationale Congress Centrum bis heute zum Vorbild für viele neue Kongressbauten weltweit. Besonders ist auch das drreigeschossige Brückenbauwerk über den Messedamm, welches das ICC direkt mit dem gegenüberliegenden Messegelände verbindet.                                                                                                                               Zum futuristischen Eindruck tragen vor allem die aus Aluminium hergestellten Fassadenteile bei. Bekannt ist das ICC auch für die bis heute erhaltene bauzeitlich Ausstattung. Der stapel- und verklammerbare Tagungs-Stuhl  sowie der ergonomische „Berliner Kongress-Sessel“ mit integrierten Arbeitstischchen und Dolmetschereinrichtungen sind heute legendär

Derzeit Sanierungsfall

Gut 30 Jahre nach der Fertigstellung besteht heute dringender Sanierungsbedarf, da die Gebäudetechnik auf den neuesten Stand gebracht werden muss und die Dämmung nicht mehr modernen Standards entspricht. Auch eine Schadstoffbelastung liegt vor. Bereits 2008 sprach sich die Mehrheit des Senats für eine Sanierung des gut ausgelasteten Gebäudes  (über 11,5 Millionen Besucher auf 1700 Veranstaltungen seit der Eröffnung) aus. Ungeachtet dessen wird derzeit wieder um den dauerhaften Erhalt der Architekturikone gestritten. Nach neuesten Zahlen, die Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) vor kurzem präsentierte, soll die Sanierung mittlerweile 329 Millionen Euro kosten. Kritiker bezweifeln jedoch die Neutralität der Gutachten. Von einer Sanierung darf trotz verhementem Widerstand von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und einigen SPD-Politikern zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls ausgegangen werden – auch wenn über das Vorgehen bisher völlige Unklarheit besteht. Denkbar für die Rot-Schwarze Koalition ist akutell eine Teilrenovierung des ICC bis 2020 unter Beteiligung der Messe, die als Landesunternehmen hohe Gewinne einfährt. Ob die Architekturikone nach der Sanierung noch erkennbar ist, steht jedoch in den Sternen. Vor allem der unverwechselbare Charakter der Aluminiumfassade könnte den Wärmedämmmaßnahmen zum Opfer fallen – es sei denn der Bau, dessen Denkmalwürdigkeit unter Experten längst feststeht, wird unter Schutz gestellt.

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Eine Antwort zu “Das Internationale Congress Centrum Berlin – Eine Architekturikone ist Sanierungsfall

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