Einkaufscenter erobern Berlin

Als „Europa-Center“ eröffnete im Jahr 1964 am Westberliner Breitscheidplatz das erste Einkaufscenter der Stadt. Damals war das aus Amerika importierte Einkaufen in wettergeschützten Passagen noch ein Exotikum. Inzwischen gibt es Einkaufscenter an jeder Ecke. Vor allem seit Ende der 1990er Jahre schießen sie überall aus dem Boden. Anfang April wird an der Schlossstraße in Steglitz mit dem „Boulevard Berlin„das neueste Einkaufscenter in Berlin eröffnet. Nach dem „Schloss-Straßen-Center“, dem „Forum Steglitz“ und dem „Schloss-Center“ ist es das vierte an der Steglitzer Schlossstraße – und das 63. in Berlin. Tendenz weiter steigend.

Das Interesse von Investorenseite, weitere großflächige Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, reißt nicht ab. Der wachsende Touristenstrom, eine zunehmende Einwohnerzahl und die Abwanderung der Kunden von den klassischen Einkaufsstraßen und der grünen Wiese versprechen weitere Umsätze. Vor kurzem haben die Rohbauarbeiten für eines der künftig größten Center begonnen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Potsdamer Platz Arkaden ensteht nordöstliche des Leipziger Platzes auf einem zwei Hektar großen Areal über 50.000 m² neue Einkaufsfläche. Das Projekt trägt den Namen Leipziger Platz No. 12. Offenbar gibt es schon vor der Eröffnung Expansionspläne. Auf der Internetseite des Investors sind Modelle zu sehen, die eine Bebauung des gesamten Areals zwischen Leipziger Platz, Voßstraße, Wilhelmstraße und Leipziger Straße beabsichtigen. Anders als bei den meisten anderen Einkaufscenter ist hier eine Funktionsmischung mit Einzelhandel in den unteren Geschossen und Wohnungen in den oberen Geschossen vorgesehen.                     In einem weiteren derzeit projektierten Center, dem sogenannten „Spree-Shopping„, auf einer Brachfläche zwischen der Multifunktionsarena am Ostbahnhof und der Warschauer Straße soll dagegen wieder wie meistens das Einkaufen dominieren. Zuwachs gibt es derzeit auch in Köpenick. Direkt am Bahnhof und gegenüber dem „Forum Köpenick“ entsteht ebenfalls ein neuer Einkaufskomplex. Ankermieter wird eine Saturn-Filiale sein, die 13. in Berlin.

Neben dem ruinösen Verdrängungswettbewerb wird von Kritikern seit Jahren (offenbar vergeblich) auf die negativen städtebaulichen Folgen der nach außen hin in der Regel hermetisch abgeschlossenen und groß dimensionierten Center hingewiesen. Auch die architektonische Qualität erscheint mit Blick auf die „Gropius-Passagen“, das „Ring-Center“ oder die „Spandau Arcaden“ mehr als fraglich. Das „Alexa“ verdeutlicht die Folgen für die Umgebung. Trotz zentraler Lage am Alexandeplatz präsentiert sich die unmittelbare Nachbarschaft als wenig einladende Einöde. Selbst an einem Frühlingstag verirrt sich kaum jemand auf die Alexanderstraße, die von der abweisenden Font des Einkaufszentrums dominiert wird. Das Leben spielt sich ausschließlich im Inneren ab.

Aus städtebaulicher Sicht ist es für viele Experten auch bedenklich, wenn für die Neubauten zudem stadtbildprägende historische Bebauung weichen muss. So wie in Köpenick, wo für den gerade im Bau befindlichen Komplex die komplette historische Südbebauung des Elcknerplatzes abgerissen wurde. In anderen Städten wie Zittau oder Bautzen, die noch dicht bebaute historische Stadtkerne aufweisen, übrigens kein Einzelfall. Dort sollen ganze Altstadtquartiere demnächst für das unbegrenzte Einkaufsverknügen fallen…

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Eine Antwort zu “Einkaufscenter erobern Berlin

  1. Ich stimmt ueber die Alexa, es ist eine groesse Schade dass die einzige Eingang so unterdimensioniert ist.

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