„Umgang mit DDR-Architektur in Potsdam – Verschwindende Brüche“

Nicht nur in Berlin tut man sich schwer mit dem Bauerbe aus DDR-Zeiten, wie die Diskussionen um einen geplanten Neubau von Thyssen-Krupp, der die Ansicht auf das ehemalige Staatsratsgebäude verstellen würde, aktuell zeigen (siehe: „Diskussionen um geplanten Neubau am Schlossplatz“). Auch in Potsdam wird der DDR-Architektur größtenteils keine Daseinsberechtigung zugesprochen. Das Haus des Reisens an der Friedrich-Ebert-Straße wurde vor kurzem abgerissen, die Gebäude der FH, das ehemalige Interhotel (heute Hotel „Mercure“) und das ehemalige Rechenzentrum an der Breiten Straße sind vom Abriss bedroht, da sie der Wiederherstellung des „historischen“ Stadtgrundrisses im Wege stehen. Doch ist die DDR und damit auch ihr Bauerbe inzwischen selbst nicht als historisch zu betrachten und wäre ein sorgsamerer Umgang damit nicht angebracht?

Vor ein paar Wochen setzte sich Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung, in einem Artikel der Potsdamer Neuesten Nachrichten mit dem barockisierenden Umbau der Potdamer Innenstadt auseinander. Darin erklärt er anhand von drei Gründen, warum die Gegenwart sich derart rabiat von den baulichen Hinterlassenschaften aus der Zeit Potsdams als sozialistische Bezirksstadt trennt, um einer Vergangenheit Platz zu machen, die kaum noch ein Zeitgenosse erlebte. Irritiert stellt Sabrow fest:

„Die kulturelle Deutungskraft eines opferorientierten Regenerationsparadigmas hat dafür gesorgt, dass das städtebaulich zunächst utopische Projekt einer Schlossrenaissance Wirklichkeit werden konnte und zugleich die Bauten der SED-Zeit aus der schützenswerten Vergangenheit herausfielen. Ganz im Gegenteil als bloße Hindernisse auf der Freilegung einer verborgenen Vergangenheit verstanden, erleiden sie das Schicksal einer visuellen Ausgrenzung, die ihr Verschwinden als Heilung zu verstehen erlaubt, ohne dass dies bislang überhaupt Gegenstand einer öffentlichen Debatte geworden ist.“

Direkt zum Artikel der Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 19. Janur 2012

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