Modell Jessica statt 50er Jahre Eleganz

Nicht nur Gebäude prägen das Erscheinungsbild einer Stadt entscheidend, sondern auch das Straßenmobiliar – und hier insbesondere Straßenlaterenen. In diesen Tagen beginnt der Abbau eines ganz besonderen Typs: der so genannten Reihenleuchte (Bauart „BAMAG U13H“) aus den 1950er Jahren, die viele Straßenzüge im ehemaligen Westteil der deutschen Hauptstadt säumt. Speziell für Berlin entwickelt, wurde sie in der Nachkriegszeit vor allem an Hauptverkehrstraßen und breiten Nebenstraße aufgestellt. Zahlreiche der derzeit noch etwa 8400 Exemplare befinden sich heute in den südlichen Stadtteilen und in Frohnau.

Auf den ersten Blick ähnelt die Reihenleuchte den weit verbreiteten Peitschenmasten. Aus nächster Entfernung zeigen sich jedoch auffallende Details. Die einzelnen Glühkörper sind deutlich sichtbar wie an einer Perlenschnur aufgereiht (daher kommt auch der Name) und verpassen der Lampe zusammen mit dem kühn geschwungenen Mast eine Leichtigkeit, wie sie auch für viele Gebäude aus der Zeit typisch ist.                                                                            Eine weitere Besonderheit der Reihenleuchte liegt darin, dass sie mit Gas betrieben wird. Dies ist auch der Hauptgrund für ihre derzeit forcierte Demontage. Da der Betrieb mit Gas (von insgesamt ca. 80.00 Gaslaternen weltweit stehen noch rund 44.000 in Berlin) von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als zu teuer beziffert wird, soll mittelfristig stadtweit die Umstellung auf elektrische Beleuchtung erfolgen. Ob die wirtschaftlichen Vorteile tatsächlich eindeutig überwiegen, ist umstritten. Zumindest die Kostenaufstellung des Vereins Gaslicht-Kultur e.V. (www.gaslicht-kultur.de) kommt zu anderen Ergebnissen. Fakt ist jedenfalls, dass in naher Zukunft ein einzigartiges kultur- und industriegeschichtliches Zeugnis verloren gehen könnte.

Während der Abbau der 8400 Reihenleuchte in den nächsten Jahren abgeschlossen werden sein soll, erhalten die anderen historischen (dem Entwurf nach älteren) Gasleuchtenmodelle Berlins (namentlich die Modell-Leuchte, die Aufsatzleuchte und die Hängeleuchte) noch eine Gnadenfrist von einigen Jahren. Zudem soll immerhin ihr äußeres Erscheinungsbild durch Nachbauten später bestehen bleiben. Die Zeitschicht der 50er Jahre wird mit der Reihenleuchte dagegen komplett  aus dem Stadtbild verschwinden. Als ihren Ersatz sieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Modell Jessica vor: http://www.selux.de/produkt/show/2232/de/de

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Zur Vertiefung:

* Internetauftritt des Vereins Gaslicht-Kultur, der sich für den Erhalt des Gaslichts einsetzt und Stadtrundfahrten zu Berliner Gaslichtvierteln anbietet: http://www.gaslicht-kultur.de/Home.html                                                                * Lichtkonzept der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/beleuchtung/de/lichtkonzept.shtml

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Eine Antwort zu “Modell Jessica statt 50er Jahre Eleganz

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