„Unbequeme“ Denkmäler brauchen Fürsprecher

Die öffentliche Bewertung der gebauten Umwelt ändert sich laufend. Waren es in den unmittelbaren Nachkriegsjahrzehnten vor allem die heute so beliebten Altbauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die mit ihren Stuckfassaden und historistischen Gestaltungselementen den Spott auf sich zogen und nicht selten abgerissen wurden, sind es heute die Bauwerke aus der Nachkriegszeit selbst, die vielerorts in Frage gestellt werden. Auf den Seiten dieses Blogs wurden bereits mehrere bedrohten Gebäude dieser Epoche in Berlin vorgestellt (s. https://stadtbildberlin.wordpress.com/2011/08/03/space-age-in-berlin-burohaus-in-gefahr/ und https://stadtbildberlin.wordpress.com/2011/09/28/kurz-vor-dem-abriss-das-haus-der-statistik-ein-vorgezogener-nachruf/). Doch auch in vielen anderen deutschen Städten verschwinden oftmals beinahe unbemerkt einzigartige Architekturzeugnisse aus der jungen Vergangenheit. Damit geht nicht nur ein Stück gebauter Geschichte, die den Geist der deutschen Wirtschaftswunderzeit verkörpert, verloren. Die Vielschichtigkeit des Bauerbes selbst bleibt durch den einseitigen Schutz bestimmter Architekturvertreter für die nachfolgenden Generationen nicht mehr erlebbar.

Umso wichtiger sind Menschen, die sich unabhängig vom jeweilig vorherrschenden Zeitgeschmack und mit differenziertem Blick dem Bauerbe annehmen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz würdigt auf ihren Internetseiten der Denkmaldebatte nun den Münchner Kunsthistoriker Norbert Huse, der seit Ende der 1980er Jahre unermüdlich für den Erhalt wichtiger Nachkriegsgebäude gekämpft hat. Huse gehörte zu den ersten, die nicht nur die Bewahrung des Schönen als Aufgabe der Denkmalpflege, sondern auch die „unbequemen“ Zeugnisse als schützenswert betrachteten. Unter http://denkmaldebatten.denkmalschutz.de/protagonisten/norbert-huse/norbert-huse-wirken/ hat Ingrid Scheuermann alles wichtige über den engagierten Denkmalpfleger zusammengetragen.


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