Diskussionen um Neubauten neben der Friedrichswerderschen Kirche

Die sogenannte Historische Mitte, ein Begriff der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung um das Jahr 2000 eingeführt wurde, bezeichnet  grob das Gebiet, zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor. Dazu gehören die ältesten Berliner Stadtteile Alt-Berlin, Alt-Cölln, der Friedrichswerder, die Friedrichstadt und die Dorotheenstadt. Auch wenn dieses zentrale Stadtgebiet von den Bombenabwürfen während des Zweiten Weltkriegs besonders stark betroffen war, wird es bis heute von herausragenden historischen Einzelgebäude geprägt. Zu diesen zählt auch die von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) in den Jahren 1824 bis 1831 erbaute Friedrichswerdersche Kirche. Sie stellt das älteste erhaltene Gebäude auf dem Friedrichswerder dar und war die erste neogotische Kirche der Stadt.
Ein aktuelles Bauvorhaben der Bauwert Investment Group wird das Umfeld und den derzeitigen Anblick der Kirche demnächst entscheidend verändern.
Viele Diskussionen gab es zuletzt um das Projekt des Investors, der auf dem aktuell als Parkplatz genutzten Grundstück direkt westlich der Kirche  den Bau von exklusiven Luxuswohnungen plant. Letzten Mittwoch (24.8.) wurden die Baupläne auf politischer Ebene mit den Stimmen von SPD, der Linken und der CDU im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses jedoch gebilligt.
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Die Pläne der Bauwert Investment Group
Auf dem 3.500 Quadratmeter großen Baufeld zwischen der Kirche und der Oberwallstraße sollen nach Vorstellungen der Bauwert Investment Group unter dem Namen Kronprinzengärten mehrere fünf- und sechsstöckige zum Teil 25 Meter hohe Häuser entstehen, die bis zu fünf Meter an die Kirche heranreichen werden. Die Bebauung orientiert sich dabei an dem Vorkriegszustand und der Kritischen Rekonstruktion des Planwerks Innenstadt, das auf Hans Stimman (Senatsbaudirektor in Berlin von 1991-96 und 1999-2006) zurückgeht. Bereits im vergangenen Februar wurden die Entwürfe für das Projekt nach einem Architektenwettbewerb vorgestellt. Demnach werden die Architektenbüros nps tchopan voss, Jasper Architekten, Stephan Höhne, Weinmiller Architekten, Patzschke und Graetz-Tyra Architekten die einzelnen Häuser gestalten. Vorgesehen ist größtenteils ein klassizistisches Erscheinungsild mit hohen Decken, schmiedeeisernen Geländern und steinernen Balustraden.
Im Rahmen des Projekts soll auch die ursprünglich parallel zur Friedrichwerderschen Kirche verlaufende 90 Meter lange Falkoniergasse wiedererstehen.
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Die Kritik an dem Projekt                                                                                                  Trotz mehrfacher Überarbeitung des Konzepts (Reduzierung der Höhe und der Nutzfläche von 11.500 auf 9.500 Quadratmeter) wird das Projekt scharf kritisiert. Denkmalschützer und der Bernliner Architekten- und Ingenieurverein (AIV) bemängeln den geringen Abstand sowie die Höhe der geplanten Gebäude zur benachbarten Kirche. Sie würden nicht nur die Sicht auf das Kirchenschiff verdecken, sondern auch den Innenraum verschatten sowie die historische Traufkante überragen.  Zudem wird das Vorhaben in seiner Architektur als zu kontrastreich abgelehnt. Architektin und Grünen-Politikerin Astrid Schneider urteilt: „Der Denkmalschutz hat die Kirche geopfert.“ [1]
Der Bebauungsplan soll vom Parlament in der letzten Sitzung vor der Landtagswahl beschlossen werden. Der Baubeginn ist für Anfang nächsten Jahres geplant.
[1] Berliner Zeitung vom 25. August 2011: In den Schatten gestellt.
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Weitere Informationen                                                                                                             Ein Foto, das die Vorkriegsbebauung zeigt                                                                               Zur Projektseite mit Bildern zur Gestaltung der Fassaden                                                  Die taz über das Bauvorhaben in einem Artikel  vom 17. August

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