Wie geht es weiter mit dem Stadtbad Oderberger Straße?

Historische Hallenbäder haben aufgrund veränderter Anforderungen an den heutigen Schwimmbetrieb oftmals einen schweren Stand. Nicht nur das Hubertusbad in Lichtenberg wartet seit Jahren auf einen rettenden Investor, sondern auch das ebenfalls denkmalgeschützte Stadtbad Prenzlauer Berg in der Oderberger Straße befindet sich in einem tiefen Dornröschenschlaf.
Ende des Jahre 1986 wurde das Schwimmbad aufgrund von Baumängeln geschlossen. Obwohl es seitdem zahlreiche Sanierungsversuche gab, steht das Gebäude bis heute leer und verfällt.  Seit kurzem gibt es allerdings wieder einen Hoffnungsschimmer. Drei Interessenten bewerben sich derzeit im Rahmen eines offenen Interessenbekundungsverfahren mit Konzepten für eine künftige Nutzung um das Gebäude.

Historischer Abriss

Das Stadtbad Prenzlauer Berg wurde in den Jahren 1899 bis 1902 als „Volksbadeanstalt“ nach Plänen des langjährigen Stadtbaurats Ludwig Hoffmann (1852-1932) erbaut. Die öffentliche Einrichtung sollte in erster Linie der Körperreinigung dienen, da die Wohnungen des dicht bebaute Prenzlauer Bergs zu dieser Zeit kaum über sanitäre Anlagen verfügten. Der im Stil der Neorenaissance errichtete Bau weist einen beinahe rechteckigen Grundriss auf und verfügt über eine großzügige Schwimmhalle, die in der Mitte des Gebäudes angeordnet ist und von zwei Lichthöfen flankiert wird. Ein Großteil der zahlreichen Verzierungen und Skulpturen wurde von dem Bildhauer Otto Lessing (1846-1912) gefertigt. Einige bauliche Veränderungen aufgrund von Platzmangel wie die Überbauung der Lichthöfe erfolgten 1936.
Nachdem das Gebäude den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden überstanden hatte, wurde der Schwimmbadbetrieb kurz nach Kriegsende wieder aufgenommen. 1977 erfolgte der Einbau einer Sauna. Neun Jahre später wurden Risse im Boden des Schwimmbeckens und in den Deckengewölben entdeckt. Das Bad musste kurz darauf seinen Betrieb einstellen.
Nach der politischen Wende 1989/90 wurde das Gebäude zunächst den Berliner Bäderbetrieben übergeben. Zwar nahm der Berliner Senat das Bad 1991 in die Sanierungsliste auf, konnte sich wegen der prekären Haushaltslage jedoch nicht zu einer Sanierung durchringen. Im Jahr 1997 wurden auch die Wannen- und Duschbäder sowie die Sauna endgültig geschlossen. Seitdem ist das Gebäude nur noch im Rahmen von Veranstaltungen wie Firmenpräsentationen oder Kunstausstellungen, die gelegentlich in der historischen Schimmbadhalle stattfinden, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Sanierungsversuche seit 2002

Aus der 1990 gegründeten Bürgerinitiative, die für die Sanierung und erneute Nutzung als Schwimmbad eintritt, entstand zehn Jahr später die „Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße“. 2002 konnte das Gebäude von der inzwischen auf 1000 Mitglieder angewachsenen Genossenschaft erworben werden. Im August 2005 gab der Senat bekannt, sich am geschätzten Sanierungsbedarf in Höhe von 16,5 Millionen Euro mit einer Fördersumme von 5,1 Millionen Euro zu beteiligen. Aufgrund von Unstimmigkeiten über das von der Genossenschaft ausgearbeitete Finanzierungskonzept wurde die in Aussicht gestellte Förderung allerdings einige Monate später wieder zurückgezogen.
Im Januar 2007 kam es zu einem Eigentümerwechsel, weil die Genossenschaft die vertraglich abgeschlossene Restaurierung des Bades bis Endes 2006 nicht umsetzen konnte. Für 100.000 Euro übernahm die Stiftung Denkmalschutz Berlin die Badeanstalt vom Liegenschaftsfonds Berlin mit der Verpflichtung, das Bad bis Ende 2011 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da die Untersütztung mit öffentlichen Geldern ausblieb (die von der Senatsverwaltung für Standentwicklung angekündigten Fördermittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro wurden letztlich nicht ausgezahlt), steht der Sanierungsbeginn weiterhin in den Sternen.

Derzeitiger Stand der Dinge

In den zurückliegenden Wochen suchte die Stiftung Denkmalschutz Berlin mit Unterstützung des Bezirks Pankow im Rahmen eines offenen Interessenbekundungsverfahren nach neuen Investoren mit tragfähigen Konzepten. Derzeit sind drei Interessenten im Gespräch. Die in der Nachbarschaft angesiedelte Sprachschule GLS möchte ihren Campus erweitern und im Gebäude zusätzliche Unterichtsräume sowie Gästezimmer einrichten. Die historische Schwimmhalle soll zu bestimmten Uhrzeiten für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Ein Wiederinbetriebnahme des Bades plant auch eine Gruppe um den Projektentwickler Realac, der zusätzlich einen Hotelneubau auf dem Grundstück errichten möchte.                                                                                                   Der Unternehmer Jasper de Gier schließlich verspricht eine denkmalgerechte Sanierung der zentralen Bereiche und die Einrichtung einer luxuriösen Spa-Abteilung in den Lichthöfen und im Untergeschoss.

Am kommenden Samstag (27.08.2011) veranstaltet die Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße ab 14 Uhr ein Straßenfest vor dem Gebäude. Die derzeitigen drei Bewerber wurden eingeladen, dort ihr Konzepte vorzustellen. Investor de Gier hat bereits zugesagt.

Eine öffentliche Beratung der beiden Ausschüsse für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung und für Finanzen, Immobilienmanament und Personal über die drei Investoren ist für den 9. September angesetzt.

Aktuelle Berichterstattung in der Presse                                                   * Vorstellung der drei aktuellen Konzepten in den Prenzlauer Berg Nachrichten vom 23. August 2011                                                                                                                         *  Die Berliner Morgenpost in einem Artikel vom 16. Juni 2011 über die derzeitige Investorensuche

Zur Vertiefung                                                                                                                                  *  Detailansichten und Grundrisse im Online-Archiv der Architekturmuseums der TU                                                                                                                                                        * Dörte Döhl: Ludwig Hoffmann. Bauen für Berlin 1896-1924, Tübingen 2004.

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Eine Antwort zu “Wie geht es weiter mit dem Stadtbad Oderberger Straße?

  1. Pingback: Durchbruch bei der Rettung des Stadtbades Oderberger Straße | Stadt.Bild.Berlin

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