„Städtebauliche Zeitschichten miteinander versöhnen“

Das barocke Zentrum der Stadt Potsdam zwischen Havel, dem Bassinplatz und dem Alten Markt wurde am 14. April 1945 durch einen alliierten Bombenangriff nahezu vollständig zerstört.  Während das Alte Rathaus und die Nikolaikirche in der Nachrkriegszeit wiederhergestellt wurden, erfolgte der restliche Aufbau in modernem Gewand. Seitdem prägen u.a. das 17 Stockwerk zählende heutige Hotel Mercure von 1969 (früher Interhotel Potsdam) sowie das Anfang der 1970er Jahre als dreigeschossiger langestreckter Montagebau erbaute Gebäude für die Stadt- und Landesbibliothek und das „Institut für Lehrerbildung“ (heute Fachhochschule Potsdam) das Umfeld des Alten Markts.

Derzeit wird in Potsdam – wie anderswo auch – ein rege Diskussion um die Rekonstruktion kriegszerstörter Gebäude  geführt. Das Stadtschloss befindet sich bereits im Wiederaufbau und es zeichnet sich ab, dass von dem in den 1960er und 70er Jahren geplanten sozialistischen Zentrum nach derzeitigen Plänen in einigen Jahren nicht mehr viel übrig sein wird.

Angesichts dieser Entwicklungen warnt Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vor der „unseriösen Stigmatisierung der Nachkriegsmoderne in der Stadt“ und fragt, ob nicht auch die Bauten der Nachkriegszeit zur Identität der Stadt gehören:         „Die Nachkriegsmoderne ist – neben anderen, das Stadtbild prägenden Epochen – auch ein konstitutiver Bestandteil der Stadtentwicklung. Aus diesem Grund bedarf es eines angemessenen Dialogs über die Qualitäten und mögliche Identitätsstiftungen der Bauten und Räume dieser Zeit.“                                            Zwar wären manche stadtplanerischen Ansätze der Nachkriegszeit zweifellos fehlerhaft gewesen, dennoch seien auch durchaus architektonisch wertvolle Zeitzeugnisse entstanden, die es zu schützen gilt.                                                                                                                                               Braums abschließender Aufruf an die Potsdamer Stadtplanung im Umgang mit den Bauerbe sollte  schließlich bundesweite Beachtung finden:                                  „Es geht also um ein Weiterbauen und nicht um das Entweder oder Oder, es geht um eine Vielfalt von Epochen, Lebensentwürfen und Schönheitsbegriffen.“

Direkt zum Artikel vom 29. Juli 2011

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s