Brighton | Lebhaftes Seebad vor historischer Kulisse | Teil II

Rundgang II Kemp Town

Nachdem Rundgang I (auf dem Stadtplan blau markiert) durch die westliche Innenstadt von Brighton führte (Zum Rundgang I), geht es nun vom Brighton Pier aus in östliche Richtung durch den Stadtteil Kemp Town (rot markiert).

Nach den  Zerstörungen des West Pier gibt es in Brighton heute nur noch einen intakten historischen Pier, den  524m langen Brighton Pier (12). Dieser ersetzte einen älteren Pier, den Old Chain Pier von 1823, der in erster Linie als Anlegeplatz für Badegäste, die mit dem Schiff anreisten, genutzt wurde.                 Nach achtjähriger Bauzeit erfolgte 1899 an zentraler Stelle in direkter Verlängerung der Straße Old Steine die Eröffnung des neuen Piers. Die Entwürfe lieferte R. St George Moore. Zwei Jahre nach der Fertigstellung wurde eine Konzerthalle eingeweiht, die 1911 zu einem Theater umfunktioniert wurde.                                                                                                                                           Urprünglich trug der Pier den Namen Palace Pier. Die Umbenennung erfolgte im Jahr 2000 durch den heutigen Eigentümer, die Noble Organisation.                  Auch der Brighton Pier wurde im Laufe seiner Geschichte von mehreren Sturmschäden heimgesucht. Verheerende Auswirkungen hatte ein Sturm im Jahr 1973, als ein Boot, das an der Anlegestelle des Piers festgemacht war, mehrmals gegen die Konstruktion aufschlug. Besonders betroffen war das historische Theatergebäude an der Spitze des Piers. Dieses wurde nach den Zerstörungen durch den Sturm nicht mehr genutzt, 1986 abgerissen und nicht mehr ersetzt.  Heute befinden sich auf dem Pier Karusells jeglicher Art, kleine Archterbahnen, Restaurants und Imbissbuden.

Der küstenahe Stadtteil östlich des eigentlichen Zentrums trägt den Namen Kemp Town. Benannt wurde die Gegend nach Thomas Read Kemp (1782-1844), der maßgeblich für die Finanzierung und Erschließung des Gebiets im 19. Jahrhundert verantwortlich war. Kemp Town war ursprünglich als Refugium für die reichen und wohlhabenden Badegäste gedacht. Bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte jedoch ein Niedergang ein. Kriminalität und Verwahrlosung breiteten sich aus. In den 1920er und 30er Jahren avancierte die Gegend zum Künstler- sowie Schwulenviertel. Heute gehört Kemp Town wieder zu den begehrtesten Wohngegenden Brightons und ist in großen Teilen gentrifiziert.
Die städtebauliche Anlage wurde in mehreren Schritten vor allem von den Architekten Charles Busby (1788-1834) und Amon Henry Wilds (1784 oder 1790-1857) geprägt. Die ersten Baumaßnahmen erfolgten ab 1823 am Lewes Crescent. Der Weg dorthin führt über die Marine Parade, der Uferstraße, die vom Brighton Pier aus ansteigt und sich oberhalb  der Küste Richtung Osten entlangzieht.                                                                                                                                     Auf halber Strecke passiert man den Royal Crescent (13), der bereits im späten 18., frühen 19. Jahrhundert entstanden ist und etwa bis 1820 noch die östliche Stadtgrenze bildete. Die insgesamt 14 im Halbrund angeordneten Bauten sind die ältesteste architektonische Komposition in Brighton. In ihrer Konzeption waren sie gleichzeitig die ersten, die bewusst zur Seeseite hin ausgerichtet waren. Dominierendes Baumaterial sind schwarz glasierte Ziegel. Der Architekt ist unbekannt.                                                                                                                                            Zum Ensemble gehören auch die Royal Crescent Mansions. Sie wurden 1848 nach der Erweiterung eines seit Anfang des 19. Jahrhunderts bestehenden Gebäudes als Hotel eröffnet und später in Wohnungen umgewandelt. Das klassizistische Erscheinungsbild, die horizontale Fassadengestaltung und die Gusseisenbalkone sind typische Merkmale des Regency Style.

Am östlichen Ende der Marine Parade stehen mehrere architektonische Ensembles von herausragender Qualität, die, im 19. Jahrhundert erbaut, den Badegästen aus den Oberschichten eine angemessene Unterkunft bieten sollten. Den Anfang machen die Gebäude an der Chichester Terrace (14).  Die drei östlichen Häuser der Terrasse wurden bereits ab den 1820er Jahren gebaut.  Die Fertigstellung der gesamten Anlage erfolgte jedoch erst im Jahr 1855. Als Grundlage der Gebäude dienten Entwürfe von Busby und Wilds.                              Die Chichester Terrace leitet über zum großzügigen Halbrund des Lewes Crescent (15). Er bildet zusammen mit dem sich im Norden anschließenden Sussex Square (16) eine architektonische Einheit und die größte Anlage dieser Art in Großbritannien. Auch hier waren Busby und Wilds federführend. Sie schufen ein Ensemble, das heute zu den großartigsten Werken des Regency Style zählt. Die einzelnen Häuser sind mit Untergeschoss vierstöckig (z.T. ist auch das Dachgeschoss ausgebaut), besitzen eine Fensterfront mit drei Fenstern und einen gusseisernen Balkon im zweiten Stock. Durch die Abrundungen der Gebäude an den Enden des Halbrunds entsteht eine elegante bauliche Überleitung zu den Nachbarhäusern.                                                                                    Als Pendant zur Chichester Terrace flankieren die Gebäude der Arundel Terrace (17) die östliche Seite des Lewes Crescent. Obwohl am weitesten vom Zentrum entfernt, wurden die Häuser dieser Terasse als erster Teil von Kemp Town errichtet. Insgesamt besteht die Anlage aus 13 Häusern, die drei Stockwerke aufweisen, ebenfalls gusseisenere Balkone besitzen und zum Teil mit korinthischen Säulen geschmückt sind.

Von hier aus bietet sich ein kurzer Abstecher an, der noch ein Stück weiter ostwärts führt. An der Einmüdung des Marina Way in den Marina Drive steht ein auffällig strahlend weißes Gebäude, das um einen offenen Innenhof angeordnet ist. Es trägt den Namen Marina Gate (18) und ist ein spätes Beispiel des Art Déco bzw. des Klassischen Moderne. Das Apartmentgebäude wurde 1937 errichtet. Ursprünglich waren auch ein Restaurant, ein Ballsaal und Läden untergebracht, die allerdings 1955 ebenfalls in Wohnungen umgewandelt wurden.

Über die Eastern Road, Chesham Road, Bristol Road und St. James´s Street, die parallel zur Marine Parade verlaufen, gelangt man wieder zurück ins Zentrum. Auf dem Weg ergeben sich viele schöne Stadtansichten. Besonders ansehnlich sind die zum Meer führenden Stichstraßen, die von weißen Fassaden gesäumt werden und sich von dem Blau des Wassers im Hintergrund abheben.

Kurz vor Erreichen des Brighton Pier gelangt man auf den Platz Old Steine mit der Victoria Fountain (19) in der Mitte. Der Brunnen wurde von Amon Henry Wilds entworfen und zum 27. Geburtstag der Queen Victoria im Mai 1846 eingeweiht. Die Anlage besitzt zwei beachtlich große Becken aus Bronze, von denen das untere von drei Delphinen getragen wird. Diese wiederum sind auf Felsen angeordnet, die sich in der Mitte eines Wasserbeckens befinden.

Zur Vertiefung:                                                                                                                          Nicholas Antram & Richard Morrice (2008): Brighton and Hove: City Guides

Für den Besuch:                                                                                        http://www.brighton-hove.gov.uk/                                                           http://www.brighton-hove-rpml.org.uk/RoyalPavilion/Pages/home.aspx

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