„Zieht euch warm an“

Seitdem in düsteren Szenarien die Klimakatastrophe vorhergesagt wird, sind energetische Sanierungen in aller Munde.  Spätestens als Folge der Einführung einer staatlichen Förderung bei Wärmedämm-Maßnahmen im Jahr 2008 werden Hausfassaden in der ganzen Republik großflächig mit Dämmmaterial überzogen. Dass den einschneidenden Konsequenzen für das Stadtbild dabei größtenteils kaum Beachtung geschenkt wird, hat Dieter Bartezko vor einigen Tagen in der FAZ kritisiert. „In einer Art kollektiver Vermummungsaktion werden landauf, landab Wohnhäuser, Siedlungen und kommunale Bauten rundum verpackt, isoliert, gedämmt. Erreichen sie schließlich die ‚Energieausweis‘-Reife, sind sie meist bis zur Unkenntlichkeit entstellt.“

Betroffen sind vor allem die Gebäude der unmittelbaren Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre schwerelose Architektur, die damals die Transparenz des jungen demokratischen Staates symbolisieren sollte, wird bei anstehenden Sanierungen meist rücksichtlos zerstört. Am Beispiel konkreter Fälle in Frankfurt macht Bartezko eine Katastrohe für die Baukultur fest, denn „nichts erinnert noch an die vorherigen feingliedrigen Strukturen.“

Doch auch das Bauerbe aus anderen Epochen ist gefährdet. „Entgegen den Beteuerungen der Behörden, man unterscheide zwischen historisch wertvoller und Gebrauchs-Architektur, und wider alle Warnungen der Denkmalpflege werden immer öfter auch in Gründerzeitvierteln Fassaden zugunsten von Isolierungen verstümmelt. Außendämmung ist bequemer, fordert weniger Zeit und weniger Aufwand.“

Direkt zum Artikel vom 6. Juli 2011

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