Innerstädtische Reihenhäuser am früheren Mauerstreifen

Die Bernauer Straße, die vom Mauerpark bis zum früheren Areal des Nordbahnhofs verläuft und eine Grenze zwischen den Ortsteilen Mitte und Wedding bildet, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Bis heute sind die durch den Mauerbau 1961 entstandenen städtebaulichen Wunden entlang der gesamten Straße erfahrbar.  Während ein Teil des ehemaligen Grenzstreifens als Gedenklandschaft dauerhaft erhalten bleibt, entstanden und entstehen an anderen Stellen neue Wohnbauten. Auf den Grundstücken Bernauer Straße 5-8 bauten neun Architekten im Auftrag verschiedener Bauherren in den zurückliegenden Jahren insgesamt 16 Reihenhäuser. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

Die Bauten liegen nahe der Versöhnungskirche und säumen einen schmalen, öffentlich zugänglichen Wohnweg, der von der Strelitzer Straße zur Gedenkstätte Bernauer Straße führt.  Aufgrund seines leicht kurvigen Verlaufs sind direkte Durchblicke durch die Anlage unmöglich. Auch deshalb erzeugt die Bebauung eine vielseitige Atmosphäre, die mit der klassischen vorstädtischen Reihenhaussiedlung wenig gemein hat.

Betritt man das Areal über die Toreinfahrt Strelitzer Straße 53, einem typischen Berliner Mietshaus aus der Gründerzeit, fällt der Blick zunächst auf das von dem Büro ebers architekten entworfene Eckhaus, das den Auftakt der Südzeile mit elf Häusern markiert und neben weiteren Reihenhäusern der Anlage 2009 mit dem Architekturpreis Berlin ausgezeichnet wurde. Der Südzeile sind wiederum fünf weitere Häuser auf der Nordseite gegenübergestellt. Für sechs Bauten lieferte außerdem Architekt Kai Hansen die Entwürfe. Drei weitere wurden von dem Büro XTH-Architekten entwickelt. Die übrigen sieben Einheiten gehen auf Einzelentwürfe zurück.

Entstanden sind multifunktionale Raumaufteilungen, die familienfreundliches Wohnen ermöglichen und als Wohn- und Arbeitsstätte gleichermaßen genutzt werden können. Das äußere Erscheinungsbild wird von vielseitigen Fassaden geprägt. Dass die einzelnen Häuser dennoch in Bezug zueinanderstehen, hängt vor allem mit einer Gestaltungssatzung zusammen, die beispielsweise eine einheitliche Traufhöhe und die Beachtung von Baulinien vorschreibt sowie die Verwendung von Kunststofffenstern verbietet. Zur den Reihenhäusern gehören kleine Gärten, Dachterrassen und eine ressourcenschonende Gebäudetechnik.

Beachtlich ist übrigens nicht nur das architektonische Erscheinungsbild, sondern auch die Vergabepraxis. Die einzelnen Grundstücke wurden von einer Vermögensgesellschaft eingeteilt und in Erbpacht vergeben.

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