Wärmeverbundsystem auf vormals prächtiger Gründerzeitfassade in der Solmsstraße 31 (Ziegert Immobilien)

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Quelle der Bilder, die den ursprünglichen Zustand des Hauses zeigen:  Google Maps

Bildnachweis der aktuellen Bilder:  (c) Jason Vaughan

Steckbrief Sanierungsjahr: 2011 | Umgang mit Ursprungsfassade: Vollständige Entstuckung der intakten prächtigen Gründerzeitfassade in einem von Altbauten dominierten Straßenzug; Vernichtung der historischen Holzfenster | Sanierungsergebnis: lieblose und unambitionierte Sanierung; minderwertige Kunststoffornamente, Fenster sowie Montagebalkons verunstalten die Ansicht; einziges Originalrelikt der sanierten Fassade ist die Eingangstür; neben der Vernichtung einer stadtbildprägenden Fassade offenkundiger Qualitätsverlust, der sich auf die gesamte Umgebung negativ auswirkt | Bauträger: Grit 40. Vermögensverwaltungs GmbH Oberlandstraße 103, Tel.: 030/22505080; Mitverantwortlich: Ziegert Immobilien, die auf ihrer Internetseite schreiben: “Auch optisch bietet sie [die Solmsstraße] durch eine lückenlose Stuckfassadengestaltung ein schönes Bild!” Das war einmal…

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7 Antworten zu “Wärmeverbundsystem auf vormals prächtiger Gründerzeitfassade in der Solmsstraße 31 (Ziegert Immobilien)

  1. Ich weiß garnicht, ob man hier nur traurig oder schon wütend sein soll! Dass in Berlin und anderen schönen Städten eingetragene Denkmale bedenkenlos abgerissen werden, wenn ein Investor mit der Geldbörse klimpert, daran haben wir uns ja bereits gewöhnt. Dass in solchen dunklen Zeiten auch dem ungeschützten historischen Baubestand mit der Brechstange zu Leibe gerückt wird ist da nur konsequent. Aber vielleicht sollten wir alle mal einen Moment innehalten und bedenken: mit dem Ergebnis dieser Sanierungen und Umgestaltungen müssen wir in den kommenden Jahrzehnten täglich leben!

    Der Prenzlauer Berg ist als Wohngebiet ja gerade wegen dem heimeligen Gefühl, das die vielen Gründerzeitfassaden versprühen so beliebt. Klar, der Stuck der Gründerzeithäuser wurde zur Erbauungszeit oftmals auch nur aus einem Musterbuch ausgewählt und vor den standardisierten Gebäudeblock gehängt (der Typenbau ist ja keine Erfindung der 1960er Jahre!). Aber es gibt hier tatsächlich auch eine Menge ausgesprochen liebevoll gestalteter und individuell gebauter Mietkasernen. Also einen wirklichen Reichtum im Ganzen und im Detail. Und dieser Detailreichtum ist das Kapital der Wohngegend.

    Versteht mich nicht falsch, sanieren ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll und auch notwendig. Eine Sanierung erhält das Bauwerk und sichert dessen Bestand für die nächsten Generationen. Aber wie saniert wird, das sollte mal gründlich überdacht werden. Das Ganze, also auch das einzelne Bauwerk ist ja nur so gut, wie das kleinste Detail. Wenn nun alle Gründerzeithäuser im Prenzlauer Berg nach Art der Solmsstraße 31 saniert werden – und da es sich hier um die zur Zeit gängige Art der energetischen Sanierung handelt, wird das wohl so kommen -, dann wird bald jede einzelne Straße im Prenzlauer Berg gleich aussehen. Da sich der Fassadenaufriss dieser Häuser stark gleicht, werden wir somit nahezu identische Straßenzüge bekommen, in denen sich eine bunte Polystyrol-Fassade an die nächste reiht. Wie heimelig das dann sein wird, kann sich jeder Interessierte bereits in Anting German Town (China, 2006, Albert Speer & Partner GmbH) ansehen.

    Wenn wir jetzt nicht ernsthaft über die gängige Sanierungspraxis nachdenken, wird der Prenzlauer Berg in absehbarer Zeit also ziemlich monotonisiert. Und ganz ehrlich: Wer will HIER dann noch wohnen, flanieren oder im Cafe sitzen?

  2. Das ist der typische Effekt, wenn es um die Erhaltung von Kultur geht: Altes erhalten udn teuer wiederaufzubauen, finden alle toll. Aber selbst dafür bezahlen, darin leben und vielleicht einige Bequemlichkeitseinbußen hinnehmen ist nicht schicklich. Das Ganzheitliche wird nicht gesehen, denn wir leben ja alle gemeinsam in einer Stadt. Nicht “mit den anderen hier”, sondern “gemeinsam zusammenlegeb”.

  3. Wärmeverbundsystem und Ziegert Immobilien gehören verboten. Ich habe die Bilder bei Facebook reingestellt – alle sind entsetzt.

  4. Puh, ich habe den Vorher-Nachher-Vergleich erst in Deinem Blog entdeckt. Krasse Sache. Ich war sowieso so irritiert, mit welcher Vehemenz da raus- und reingeschlagen wurde. Auf dem Hinterhof gab es bspw. eine kleine Remise – zack, weg. Das Haus innen war nicht mehr schön, das muss ich einräumen. Aber diese Fassade hätte der Denkmalschutz nicht mal eben so durchgehen lassen sollen. Zumal: in der Bergmannstraße ist gerade ein weiteres Haus eingerüstet, da waren neulich Gutachter auf den Gerüsten, die sich den Stuck sehr lange angeguckt haben (Hintergrund ist, dass vom Dachfirst Teile in den vergangenen Wintern abstürzten). Ich bin mir da aber sicher, dass der oder die Eigentümer den Stuck dran lassen.

  5. Gerd Müller

    Interessanter Beitrag. Das Problem ist nur das Ziegert wahrscheinlich gar nicht der Schuldige ist. Die bauen ja nicht, sondern vermarkten ja nur. Das was hier als falsche Tatsachenbehauptung dargestell wird, ist somit im Grunde nur Marketing. Die eigentlichen Verantwortlichen für den Verlust der ursprünlichen Fassade sind wohl eher im Bauamt zu suchen. Denn Außenbalkone und neue Fassadengestaltung müssen hierzulande ja wohl immer noch genehmigt werden. Der Irrtum ist ägerlich. Denn hierdurch wird die Diskiussion um den Erhalt nicht-denkmalgeschützter Gründerzeitfassaden zum Konsensgequatsche ohne Wirkung auf die Verantwortlichen.

  6. hmmm, je länger ich mit Abstand die Bilder und Kommentare auf mich wirken lassen, stimme ich meinem Vorkommentator zu. Wenn also das vom Bauamt Kreuzberg genehmigt wurde, dann ist das schon fast mutwillige Zerstörung eines Denkmal-Ensembles. Ab und an sehe ich alte Bauakten und auch, wie damals bereits die Fassaden genehmigt wurden. Letztlich ist das doch heute vermutlich auch noch so, oder? Andererseits: diese ganze Energieffizienzsanierungsscheiße, die übrigens in Südeuropa nur zu einem müden Lächeln führt, reizen wir hierzulande eben so dermaßen komplett aus, dass das ganz gewiss nicht die letzte Fassadenkahlschlagsanierung war. Tibor von Bergmannblog.

    PS die Staubschwaden vom Abschlagen waberten tagelang durch die Straße

  7. ein wort recht doch, um das zu beschreiben?
    kaputtsaniert!
    ich frage mich, warum sich niemand aus dem zuständigen bauamt oder der genehmigungsbehörde dafür zu rechtfertigen hat!

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